Kodex des Tigers

(Die äußerst vertrauliche Information. Achtung: für Nicht-Tiger nicht empfohlen!)

1. Der Tiger hat nicht die Spur eines Minderwertigkeitskomplexes. Alles, was er sagt und tut hält er für richtig, schön, passend und beneidenswert. Und da die Mehrheit der Bevölkerung Probleme mit der eigenen Meinung hat, schließt sie sich gern der Meinung des Tigers an, in dem naiven Glauben, dass es für solches Selbstwertgefühl wichtige Gründe geben muss.

2. Als optimistisches und leichtsinniges Wesen vergisst der Tiger sehr schnell alle Unannehmlichkeiten und fasst sofort Vertrauen zu Fremden. Aber bemerkt er einmal, dass der Partner ein unehrliches Spiel treibt, wird er ihm nie mehr voll vertrauen und ihn ständig aus den Augenwinkeln betrachten.

3. Der Tiger ist sehr edel und wird niemals den Schwächeren angreifen. Und da er sich für den Stärksten hält, greift er überhaupt niemanden absichtlich an. Ausnahme ist die Situation, die der Tiger als “Herausforderung zum Kampf ” versteht - da demonstriert er gerne seine Kraft und Unbesiegbarkeit (wenn manchmal irgendein Kampf zufällig verloren wird, vergisst der Tiger es sehr schnell - also bleibt seine Empfindung der Unbesiegbarkeit erhalten).

4. Der Tiger wird niemals krank. Dafür fehlt Ihm einfach die Phantasie: er glaubt durch und durch nur aus Fleisch und Muskeln zu bestehen – wie kann er da krank werden? Ungefähr ein Mal alle fünf Jahre bekommt er Schnupfen und erzählt lange mit Stolz allen davon weil er glaubt, dass es ihn “menschlicher” macht. Der Tiger ist überzeugt, dass alle Krankheiten von den Ärzten erfunden wurden, um die Bevölkerung in Angst zu halten und gutes Geld zu  kassieren, indem sie ihre Patienten mit unverständlichen Ausdrücken erschrecken!

5. Der erwachsene, gesunde Tiger ist fast immer in jemanden romantisch verliebt. Dabei ist er vernünftig genug, nicht zu vergessen, dass das mögliche Ziel des geliebten Objektes wäre, ihn, den Tiger, in den Käfig zu locken – deshalb, trotz aller heißen Gefühle, vergisst er niemals, sich um seine Freiheit zu kümmern, die für den Tiger sehr wichtig ist.

6. Der Tiger hält die ganze Welt für seinen eigenen Spielplatz und fühlt sich überall zuhause. Mit Mühe hat er ein paar Fremdsprachen gelernt, aber auch ohne Sprache findet er leicht Kontakt mit Hilfe des Lächelns, freundlicher Gesten und Schwanzwedeln.

7. Der Tiger ist frei von Moral und das eigene „ich will“ ist für ihn wichtiger als alle moralischen Verbote. Aber dafür hat er eine hoch entwickelte Ethik; vieles, was er in seiner Umgebung beobachtet, würde er selbst aus Stolz nicht tun: z.B. zu kleinlich sein, lügen, um Geld kämpfen, bitten und s. w.

8. Der Tiger kann sich nicht vorstellen, dass er jemandem nicht gefällt. Wenn er Missgunst bemerkt, dann versucht er eine Weile das zu klären, danach verschwindet er und denkt dabei: “es war sicher nur ein Missverständnis …”

9. Für den Tiger ist es nicht nur wichtig zu gewinnen, sondern elegant zu gewinnen – ohne zu viele Bewegungen, Staub, Lärm und Leichen - also mit minimalem Schaden für die Umwelt.

10. Als eines der vollkommensten Wesen im Universum geht der Tiger mit viel Verständnis, Toleranz und Mitgefühl mit den übrigen, weniger erfolgreichen Exemplaren um.